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@Leseerlaubnis

28 Tweets 81 reads Dec 17, 2022
Die Mähr von der "Immunschuld"
Die Fakten sind:
Enorm hohe RSV-Wellen in Schweden 2021 und 2022
Hohe Wellen in Deutschland 2021 und 2022
Hohe Wellen in Schweiz und Frankreich
Aber keine Wellen in Japan und Süd Korea.
Wie kommt das?
Ein 🧵
In Deutschland gab es bereits 2021 eine hohe Welle RSV-Infektionen, die bereits in der KW 39 bei 30 % lag.
Wie hoch sie letztlich im Maximum lag
influenza.rki.de
2022 ist die Positivrate noch höher geschossen.
Wir hatten in 🇩🇪 also zwei hohe Wellen mit RSV-Infektionen. Sowohl 2021 als auch 2022.
Auch in den USA gab es deutliche RSV-Wellen, wobei die Daten zeigen, dass sich RSV bis 2019 immer stärker ausgebreitet hatte, dann 2020 überwiegend ausfiel und sowohl 2021 als auch 2022 mit hohen Wellen eintrat.
medrxiv.org
Aber was ist mit anderen Ländern der Erde, in denen Kinder geschützt wurden? In denen es Maskenpflicht für Kinder gab und in denen Luftfilter in den Schulen aufgestellt worden waren. Länder, mit niedriger COVID-19-Infektionsrate unter den Kindern?
Sehen wir uns 🇯🇵 und 🇰🇷an.
In Japan gab es 2020 fast keine RSV-Fälle, 2021 eine enorm hohe RSV-Welle und 2022 eine Welle, die kleiner war als in den Jahren vor der Pandemie.
niid.go.jp
Mit wenigen Krankenhauseinweisungen.
In Süd Korea gab es 2021 eine hohe RSV-Welle, die aber kaum zu Krankenhauseinweisungen führte.
Die Zahl der Krankenhauseinweisungen war kleiner als 2019 und jene 2022 war noch kleiner.
Hier die offiziellen Zahlen für Süd Korea. 2021 haben sich enorm viele Kinder mit RSV angesteckt, so viele wie nie zuvor, aber die Kinder haben das sehr gut vertragen und es gab enorm niedrige Krankenhauseinweisungen.
jkms.org
In GB (die Zahlen finde ich gerade nicht) und in den USA (unten) wurde festgestellt, dass die mit RSV infizierten Kinder in höheren Raten zuvor COVID-19 hatten als jene Kinder, die sich nicht mit RSV anstecken.
Insgesamt kommen mir 19,2 % sogar gering vor.
Was bleibt:
Länder in denen viele Kinder COVID-19 hatten, haben hohe RSV-Wellen mit hoher Einweisung in die Krankenhäuser.
Länder in denen wenige Kinder COVID-19 hatten, haben nur 2021 sehr hohe Wellen (wohl weil zwei Jahrgänge betroffen waren), aber kaum Krankenhauseinweisungen.
Merke:
Ob es Distanzunterricht und teilweise Masken gab, wie in Deutschland, oder keine gab, wie in Schweden, hatte keinen Einfluss auf die RSV-Wellen 2021 und 2022.
Nur 2020 ist die RSV-Welle in Deutschland flach ausgefallen. 2021 und 2022 gab es hohe Wellen.
Der entscheidende Unterschied liegt ganz wo anders.
Länder, in denen sehr viele Kinder COVID-19 hatten (Schweden, Deutschland, Schweiz, Frankreich, USA) haben hohe Wellen 2021 und 2022 und auffällig viele Krankenhauseinweisungen 2021 und 2022.
Die Kinder verkraften RSV schlecht.
Und Länder, in denen weniger Kinder COVID-19 hatten, wie Japan und Südkorea, hatten - nach dem Ausfall der Welle 2020 - eine besonders hohe Welle 2021 aber kaum Krankenhauseinweisungen, weil es zwar zwei mehre Jahrgänge in einem Jahr gleichzeitig betraf, die Kinder im
Durchschnitt aber älter waren, als sie das erste Mal RSV hatten.
2022 war die RSV-Welle in Japan und Südkorea sogar niedriger als normal, vermutlich weil viele Kinder 2021 infiziert waren und sich 2022 nicht nochmals ansteckten.
Zusammengefasst:
- Kinder die 2020 bis 2022 COVID-19 hatten verkraften RSV schlecht.
- Kinder die nie COVID-19 hatten, verkraften RSV gut.
Das Auswerten einiger Studien und Zahlen, die von allen Ländern frei und kostenlos zur Verfügung gestellt werden, ermöglicht jedem investigativ tätigen hauptberuflichem Journalisten - ebenso wie mir nebenberuflich - den Beweis zu führen, dass es keine "Immunschuld" gibt.
Es gibt eine Immunitätslücke. Diese wurde aber bereits 2021 geschlossen, sowohl in Schweden als auch in Deutschland, Japan und Südkorea.
Dass es in Europa und den USA besonders schwere Verläufe gibt, ist allein auf die Schwächung des Immunsystems durch COVID-19 zurückzuführen.
Wie gezeigt, sind die Daten eindeutig.
Die Mähr von der vermeintlichen "Immunschuld" lässt sich sehr einfach widerlegen.
Wenn die Presse dies nicht macht, dann sollte Sie der Bevölkerung Rede und Antwort stehen, warum sie ihren Job nicht macht!
Nie war Recherche einfacher als heute. Das Internet ermöglicht einem den Zugang zu allen Daten aller Länder.
Auf Twitter werden einem die Studien und Daten der Länder zugespielt, wenn man lediglich einigen maßgeblichen Personen, Universitäten, Fachzeitschriften folgt.
Es gibt keinen erkennbare Entschuldigung für den fast vollständigen Ausfall jeglicher investigativer Leistung unserer deutschen Journalist*innen.
Wäre ich hauptberuflich Journalistin, würde ich mir in Zeiten einer Pandemie sogar über meine bezahlte Arbeitszeit hinaus Zeit
nehmen, um in dieser für Journalisten spannenden Zeit, durch besonders gute Recherche aufzufallen und mir einen Namen zu machen.
Nie war es einfacher, Metastudien zum jeweiligen Wissen, zu einzelnen Fragen der Pandemie, vom heimischen Notebook aus zu erledigen.
Wo sind sie denn alle, unsere investigativen Journalisten, die sich den Fakten annehmen?
Wer genau hinschaut, bringen die Medien nur noch Meinungen, und die zumeist wahllos oder mit False Balancing in verwirrender Weise.
Nur selten werden Studien verlinkt. Noch seltener wird
eine Studie eingeordnet, dahingehend, was richtig und was falsch ist.
Wie sollen sich Menschen da noch zurechtfinden?
(Sehe gerade Mär schreibt man ohne h, aber ich lass den langen Thread jetzt so.)
@threadreaderapp please unroll

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