Jens Scholz
Jens Scholz

@jensscholz

14 Tweets 5 reads May 26, 2023
Da steckt noch so viel unterschwellige und unfreiwillig verräterische Kommunikation in dem Text, die bemerkenswert ist. Nicht nur das, was @Anwalt_Jun heraushebt.
@Anwalt_Jun 1. "in Medien (wird) über den Fall Bahar Aslan berichtet"
Hier von einem "Fall" zu schreiben suggeriert, dass es nicht etwa um einen Konflikt geht, sondern dass bereits vorausgesetzt ist, dass ein Fehlverhalten ihrerseits vorliegt und es lediglich um die Reaktion darauf geht.
2. was @Anwalt_Jun bereits schrieb. Dazu die Anmerkung, dass auch das nicht mit "wir wir meinen" oder "aus unserer Sicht" eingeleitet wird. Man begründet die Entscheidung nicht mit der eigenen Wahrnehmung sondern als Reaktion auf einen Fakt, um sich aus der Diskussion zu ziehen.
3. Der dritte Absatz ist etwas amüsant, denn scheinbar sieht man sich ja doch in einem Rechtfertigungszwang (was nie gut ist - es zeigt mindestens, dass man sich doch nicht so sicher ist. Wären die Fakten so klar wie zunächst suggeriert, bräuchte man das nämlich gar nicht).
Dann passiert einem sowas wie die Formulierung "eine differenzierte, vorurteilsfreie Sichtweise auf Demokratie, Toleranz und Neutralität" die ungefähr das Gegenteil dessen sagt, was man wahrscheinlich glaubte, zu sagen. Demokratie, Toleranz und Neutralität sind nämlich Werte.
Und Werte sind keine Sichtweise sondern eindeutig. Was eine Sichtweise wäre ist, ob man diese Werte leben und vermitteln will oder nicht. D.h. eine "differenzierte vorurteilsfreie Sichtweise" auf diese Werte inkludiert und validiert aktiv diejenigen, die sie ablehnen.
Das ist 100% nicht, was man sagen wollte, aber so funktionieren wir Menschen, wenn wir unter Rechtfertigungsdruck kommunizieren: Wir schreiben eine unvoluntary confession, denn unbewusst wollen wir eigentlich die Wahrheit sagen.
4. Es gab eine Entscheidung, aber es erfolgen noch Gespräche. Was jetzt: Ist die Entscheidung jetzt getroffen oder doch noch nicht? Diesem Absatz fehlt die Info, worüber eigentlich gesprochen wird. Meiner Ansicht nach ist der Absatz nur dafür eingefügt, ...
um Nachfragen mit "Wir bitten um Verständnis, dass wir uns nicht weiter äußern, so lange noch Gespräche geführt werden " beantworten zu können in der Hoffnung, dass sich das mediale Interesse über die Zeit legen wird.
5. Der Disclaimer-Absatz: "Wir sind so und so, also können wir ja gar nicht die uns angelasteten Fehler machen." Was natürlich nicht stimmt - man kann immer Fehler machen, egal wie gut die Intentions sind.
Aber was viel interessanter ist: auch hier hat das schlechte Gewissen zugeschlagen und ein "wir sehen uns selbst als" verwandelt die als starker, eindeutiger Fakt gedachte Aussage zu einer schwachen Meinung mit der Energie einer nicht mal sonderlich aktiven Willensbekundung.
Noch ein letztes Detail: die HSPV NRW bleibt komplett Personenfrei (der Präsident, das Präsidium). Der einzige Name im Text ist der von Frau Aslan.
Das heißt: Auf Seite der HSPV stehen hierarchisch höhergestellte Würdenträger, auf Seite von Frau Aslan nur sie selbst. Ihre niedrigere Position in der Hierarchie wird genannt (Lehrbeauftragte), aber nicht mal die hat sie mehr, weil sie in der Vergangenheitsform formuliert ist.

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